Vogelfängerprojekt

In früheren Zeiten lieferten die Vogelfang-Spezialisten Vögel für den Bedarf der Maharadschas und hatten dadurch ein bescheidenes Auskommen. Da inzwischen kaum jemand mehr Vögel kauft und die meisten Vogelarten geschützt sind, gerieten sie ins soziale Abseits und waren gezwungen, vom Lumpensammeln und dem Betteln der Frauen und Kinder zu leben. Bedingt durch ihre nomadische Lebensweise besuchten die Kinder keine Schule. Die Mädchen wurden beim Einsetzen ihrer Regel verheiratet, es gab keine Verhütung, Kinder waren erwünscht und zahlreich, und zehn/zwölf Kinder pro Familie galten als normal. Viele Kinder waren durch diese Lebensumstände in ihrer Gesundheit und Entwicklung erheblich beeinträchtigt.

Seit 1994 betreuen PEARL-Mitarbeiterinnen diese Vogelfänger-Gruppe. Nach jahrelangem Einsatz für die Entwicklung dieser Menschen leben jetzt fast alle Mitglieder in festen Häusern auf einem gemeinsamen Platz als Gemeinschaft und unterstützen sich wechselseitig in Selbsthilfegruppen. Der Lebensstil der Gruppe hat sich erheblich verbessert: neue Wege werden gegangen, um Arbeit zu finden und das Überleben der Gemeinschaft auch ohne Betteln zu sichern. Aus den primitiven Häusern außerhalb der Stadt ist in den letzten zehn Jahren ein lebendiges Dorf geworden mit asphaltierten Wegen, vielen Bäumen, Strom- und Wasserversorgung. In Selbsthilfe wurde ein Tempel errichtet. Auf Initiative von PEARL werden seit einigen Jahren private Toiletten gebaut. Zuerst konventionell, seit zwei Jahren als Humustoiletten, da der Wassermangel ein zunehmendes Problem in dieser Gegend ist.

Hauptziel für die Entwicklung der Gemeinschaft ist und bleibt die Ausbildung der Kinder. Mittlerweile gehen alle Kinder der Gemeinschaft zur Schule und erhalten abends zusätzlichen Unterricht von PEARL-MitarbeiterInnen. Im Juli 2009 wurde eine Vorschule eingerichtet, in der die noch kleinen Kinder auf den Schulgang vorbereitet werden. Sommerkurse ergänzen das Angebot. Zusätzlich erhalten die Kinder Gemeinschaftskunde und erlernen soziale Fähigkeiten und Selbstdisziplin. Sie sollen in die Lage versetzt werden, hilfsbereite und sozial eingestellte Menschen zu werden, die in Not geratene Mitmenschen unterstützen. Durch medizinische Lehrgänge hat sich die Gesundheitslage der Gruppen-Mitglieder stark verbessert. Die Geburtenrate ist zurückgegangen, jede Familie hat jetzt nur noch zwei bis drei Kinder. Die Frauen werden in Selbsthilfegruppen des Klein-Kredit-Programms zum Sparen und zur Eigenständigkeit angeleitet. Jede Familie besitzt inzwischen ein eigenes Bankkonto, auf das sie kleine Beträge einzahlt.

Langsam werden die Mitglieder der Vogelfänger-Gemeinschaft von ihrer Umgebung anerkannt und geachtet, sie finden zu ihrem eigenen Auskommen, zu Selbstvertrauen und zu einem Leben in Würde.